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Die A61 kann sich ja manchmal ganz schön ziehen. In der Nähe von Rheinböllen, am nördlichen Ausläufer des Soonwaldes, verließen wir die durch mehrere Mittelgebirge führende Schnellstraße und meisterten kurz darauf den kurzen Anstieg zur auf etwas über 500m Meereshöhe gelegenen Waldgaststätte Emmerichshütte, die meine Frau als lohnende Einkehradresse nach ausgiebiger „Googelei“ ihrem Fahrer wärmstens ans Herz gelegt hatte.
Aus der vom Köhler Emmerich Schneid im Jahr 1732 (!) an Ort und Stelle errichteten Hütte, ist ein gutbürgerliches Ausflugslokal mit Platz für bis zu 60 Personen in Inneren geworden. Im Jahr 2010 wurde die Waldgaststätte modernisiert und umgebaut. Davon zeugte auch die hübsch angelegte, mit ausreichend Sonnenschirmen bestückte Außenterrasse, auf der wir an diesem warmen Frühsommertag die letzten freien Plätze ergattern konnten.
Netterweise durften wir uns zu drei älteren Damen aus der Region dazu setzen. Schnell kam man mit ihnen ins Gespräch. Dem Charme der redseligen Durchreisenden (und ihrem quirligen Töchterchen) erlagen sie bald und es entwickelte sich ein unterhaltsamer Plausch mit Einheimischen, die dieses Gasthaus schon seit vielen Jahren ansteuern.
Sie lobten die hier servierte Hausmannskost gutbürgerlicher Prägung, die mir bereits bei unserer Ankunft mit Hirschsteak, Saftgulasch und Wildgeschnetzeltem auf diversen Empfehlungstafeln auf sympathisch fleischlastige Art und Weise aufgefallen war.
Am Nachbartisch wurde sich gerade über ein derart gewaltiges, mit frischen Champignons und Käse überbackenes Schnitzel Wiener Art, das locker jeden ausgehungerten Waldarbeiter rundum sorglos und satt ins nächste Fresskoma sediert hätte, hergemacht, dass mir bei den hier vorherrschenden Portionsgrößen doch ein wenig angst und bange wurde.
Doch zuerst perlte ein gut gekühltes Mineralwasser der Marke „Schwollener Gourmet“ (0,5l für 3,80 Euro) in unseren Gläsern. Aus Koffeingründen orderte ich ausnahmsweise mal eine große Cola (0,4l für 4,20 Euro).
Schließlich musste ich nach dem Essen auf das "Herrenalber Verdauungsschläfchen" (feststehender Begriff in der Pfalz, Anm.) verzichten und meine beiden Damen noch sicher nach Hause kutschieren.
Die Pizza vom Vorabend, deren zweite Hälfte ich ein paar Stunden zuvor zum Frühstück verspeiste, hemmte meinen Bestellermut. Und meiner Frau war das Speisenangebot viel zu eindimensional gestrickt, sprich ohne wirkliche vegetarische Alternativen.
Die Wildspezialitäten aus dem Soonwald lachten mich allesamt an. Wildburger, Wildbratwurst, Wildhacksteak und ein Köhlerschmaus hätten wohl jedem echten Waidmann kulinarisches Heil bedeutet. Da fiel mir das Wildgeschnetzelte mit Paprika und Spätzle (19,50 Euro) von der Schiefertafel wieder ein. Nachdem mir meine Frau ihre Solidarität bei der Verspeisung zugesichert hatte, orderte ich einmal das Geschnetzelte „Soonwalder Art“, das wir uns wenig später teilten.
Unserem Töchterlein gefiel es ebenfalls hier, war doch ein kleiner Spielplatz mit Sandgrube in direkter Reichweite und ringsherum genug Platz zum Toben. Auch sonst gab es an den „äußeren Umständen“ wenig auszusetzen. Außer vielleicht der Tatsache, dass es hier zuging wie auf einem gut besuchten Wochenmarkt. Typischer Feiertagsandrang (Fronleichnam) bei gutem Wanderwetter! Keine Ahnung, wie der Service diesem Ansturm Herr bzw. Frau wurde, aber die Bedienungen schienen mit einer solchen Auslastung in keiner Weise überfordert zu sein. Ganz im Gegenteil, das ging alles recht zügig und flott über die Bühne.
Selbst drinnen waren ein paar Tische belegt, wie ich beim Gang zu den Toiletten erstaunt feststellte. Die sehr sauberen und gepflegt wirkenden Nassräume ließen mich kurz über die nicht immer ganz so „sanifairen“ Verhältnisse auf Autobahnraststätten schmunzeln. Auch sie bestätigten unsere Entscheidung, diese etwas weiter von der Autobahn entfernte Rastmöglichkeit gewählt zu haben.
Wieder draußen an der warmen Luft dauerte es nicht mehr lange bis die in ausreichend Sauce schwimmenden Fetzen vom Schwarzwild an unseren Tisch gebracht wurden.
Neben der Soonwalder Saucenplatte hatte sich „Mount Bürger“, also ein ordentlicher Berg Tütenspätzle aufgetürmt. Gut, dass wir nur dieses eine Hauptgericht zu bewältigen hatten, denn das Gelieferte reichte auch locker für zwei nicht gerade vorm Hungertod stehende Mittagstischler.
Die Sauce hatte durchaus Substanz. Vielleicht wurde ihr mit ein paar pulverisierten Helferlein geschmacklich ein wenig auf die Sprünge geholfen. Aber wenn, dann eher subtil. Das konnte man durchaus essen, zumal auch das Fleisch vom Schwarzkittel recht zart ausfiel.
Hatte man mir etwa versehentlich ein paar Streifen vom Kahlwild untergemischt? Egal, zusammen mit der dank Paprika um ein paar fruchtig-herbe Noten ergänzten Tunke machte dieser gutbürgerliche Hausmannslunch zumindest eines, nämlich wunderbar satt.
Trotz nicht gerade homöopathischer Verwendung von Salz, hielt sich mein Nachdurst später in Grenzen. Und wie der Eiskaffee (4,20 Euro) schmeckte, den sich meine Gattin danach gönnte, kann sich wohl jeder denken. Exakt so, wie ein kalter, mit Vanilleeis und Sahne veredelter Koffeinspender im Sommer eben schmeckt.
Gestärkt und gesättigt machten wir uns danach auf den Weg, um die letzte Etappe in Richtung Heimat in Angriff zu nehmen. Die Emmerichshütte würde ich für eine zünftige Rast jederzeit wieder ansteuern. Die Preise liegen zwar etwas über dem gewohnten „Pfälzerwald-Niveau“, aber die erstaunliche Auswahl an Wildgerichten und die schöne Lage lassen mich locker darüber hinwegsehen. Und naturnaher als jede Autobahngastro-Erfahrung war unser kleiner kulinarischer Abstecher in den nördlichen Soonwald allemal.